Welche Haftungsrisiken haben Onlinehändler? exali-Kundenberaterin erklärt
Artikelübersicht
Welche Haftungsrisiken gibt es im eCommerce?
Wann haften Onlinehändler für Inhalte?
Welche Haftungsrisiken ergeben sich aus Datenschutz und DSGVO?
Wann greifen Produkthaftungsrisiken im Onlinehandel?
Welche technischen und organisatorischen Haftungsrisiken gibt es im eCommerce?
Wann haften Onlinehändler vertraglich?
Warum sind Haftungsrisiken für Onlinehändler wirtschaftlich relevant?
Wie können sich Onlinehändler gegen Haftungsrisiken absichern?
Warum ist eine Kombination aus Prävention und Absicherung für Onlinehändler wichtig?
Welche Haftungsrisiken gibt es im eCommerce?
Jessica Seitz, Kundenberaterin berät bei exali viele Kundinnen und Kunden aus dem Bereich eCommerce. Daher kann, sie aus der Praxis berichten, wo die Schwierigkeiten liegen:
„Häufig entstehen Haftungsfälle durch scheinbar kleine Fehler im Online-Shop. Dazu zählen etwa irreführende oder veraltete Produktbeschreibungen, fehlende Hinweise oder fehlerhafte Angaben zu Produkten. Auch Urheberrechtsverletzungen bei Bildern oder Grafiken führen regelmäßig zu Abmahnungen und Ansprüchen.
Viele Händler gehen davon aus, dass Haftungsprobleme nur große Plattformen betreffen oder, dass bisherige Problemlosigkeit bedeutet, dass kein Risiko besteht. In der Praxis geraten jedoch auch kleine Online-Shops in den Fokus von Ansprüchen oder Abmahnungen.“
Wann haften Onlinehändler für Inhalte?
Onlinehändler haften für Inhalte, die in ihrem Online-Shop oder auf angebundenen Plattformen veröffentlicht werden. Entscheidend ist, wer den Inhalt bereitstellt, welche Art von Inhalt betroffen ist und welche Kontroll- und Prüfpflichten bestehen.
Wann haften Onlinehändler für eigene Inhalte?
Für eigene Inhalte tragen Onlinehändler die volle Verantwortung. Dazu zählen insbesondere:
- Produktbeschreibungen
- Bilder, Grafiken und Videos
- Werbeaussagen und Preisangaben
- rechtliche Texte
Kaufentscheidungen basieren maßgeblich auf diesen Informationen, weshalb fehlerhafte Inhalte ein erhebliches Haftungsrisiko darstellen.
Jessica Seitz weiß, dass Urheberrechtsverletzungen im eCommerce besonders häufig unterschätzt werden: „Viele Händler gehen davon aus, dass Inhalte aus dem Internet frei genutzt werden können. In der Praxis führt genau das regelmäßig zu Abmahnungen. Etwa bei der Nutzung von Bildern, Logos oder geschützten Designs ohne entsprechende Rechte.“
Wann haften Onlinehändler für Nutzer- und Fremdinhalte?
Onlinehändler sind nicht automatisch für jeden fremden Inhalt verantwortlich. Allerdings können Haftungsrisiken entstehen, wenn Händler Kenntnis von problematischen Inhalten haben oder bestimmte Prüf- und Handlungspflichten nicht erfüllen. Relevant sind hier insbesondere Inhalte, die:
- Rechte Dritter verletzen
- falsche Behauptungen enthalten
- personenbezogene Daten betreffen
- wettbewerbsrechtlich problematisch sind
Jessica Seitz warnt: „Häufig enthalten Nutzerbeiträge problematische Inhalte. Das können zum Beispiel Bilder ohne Nutzungsrechte oder Kommentare mit personenbezogenen Daten Dritter sein. Händler gehen häufig davon aus, dass sie für diese Nutzerbeiträge nicht verantwortlich sind, etwa bei Kommentaren oder Bewertungen. In der Beratung zeigt sich jedoch regelmäßig, dass sie trotzdem als erste Anlaufstelle in Anspruch genommen werden.
Schwierigkeiten entstehen etwa durch Bewertungen mit beleidigenden oder falschen Aussagen über Dritte oder durch Kommentare, die personenbezogene Daten enthalten. Viele Händler gehen davon aus, dass sie erst haften, wenn sie aktiv eingreifen. In der Praxis kann jedoch bereits das Nichtreagieren auf problematische Inhalte rechtliche Folgen haben.“
Welche Haftungsrisiken ergeben sich aus Datenschutz und DSGVO?
Onlinehändler verarbeiten regelmäßig personenbezogene Daten. Haftungsrisiken ergeben sich laut Seitz immer dann, wenn diese Daten unzulässig verarbeitet, unzureichend geschützt oder unbeabsichtigt veröffentlicht werden:
„In Bewertungen oder Kommentaren werden häufig personenbezogene Daten veröffentlicht, etwa E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder Klarnamen. Händler bemerken solche Inhalte oft erst spät. Gleichzeitig besteht häufig Unsicherheit darüber, welche Daten gespeichert werden dürfen und wann sie gelöscht werden müssen.“
Nicht jeder Datenschutzverstoß ist automatisch versichert. Insbesondere behördliche Bußgelder und bestimmte Eigenschäden können ausgeschlossen oder nur über Zusatzbausteine abgedeckt sein.
Wann greifen Produkthaftungsrisiken im Onlinehandel?
Diese Risiken greifen, wenn von einem Produkt ein Schaden ausgeht. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Händler das Produkt selbst hergestellt hat oder lediglich vertreibt. Auch reine Händler können unter bestimmten Voraussetzungen haftbar gemacht werden.
- Herstellungsfehler
- Sicherheitsmängel
- Produkte entsprechen nicht den gesetzlichen Anforderungen
- vorgeschriebene Kennzeichnungen oder Hinweise fehlen
- Warnhinweise unklar oder unvollständig
Das Thema Produkthaftung im Detail finden Sie hier: Verschärfte Produkthaftung: Das kommt auf Unternehmen zu.
Jessica Seitz kennt die Komplexität des Themas Produkthaftung: „Viele Händler sind unsicher, wann sie selbst für Produkte haften und wann nicht – etwa bei Handelsware, Dropshipping oder Print-on-Demand. In der Beratung zeigt sich auch regelmäßig Unsicherheit darüber, welche Produkte tatsächlich versichert sind und welche nicht.
Ein weiterer häufiger Irrtum betrifft importierte Produkte. Oft sehen Onlinehändler sich lediglich als Händler, wenn sie Waren aus dem Ausland beziehen. Rechtlich können sie jedoch als Hersteller oder Importeur gelten und damit umfassende Haftungsrisiken tragen. Diese Herstellerverantwortung ist vielen Händlern zunächst nicht bewusst.“
Achtung: Produkthaftungsrisiken sind in der Regel nur über einen gesonderten Versicherungsbaustein abgedeckt und können je nach Produktkategorie eingeschränkt oder ausgeschlossen sein.
Welche technischen und organisatorischen Haftungsrisiken gibt es im eCommerce?
Technische und organisatorische Haftungsrisiken entstehen im eCommerce überall dort, wo digitale Prozesse nicht wie vorgesehen funktionieren oder unzureichend abgesichert sind.
- Systemausfälle oder längere Nichtverfügbarkeit des Online-Shops
- fehlerhafte Bestell-, Zahlungs- oder Schnittstellenprozesse
- Sicherheitslücken in Shop-Systemen oder Plugins
- unzureichender Schutz vor unbefugtem Zugriff
- fehlerhafte Updates oder Konfigurationsfehler
Nicht jeder technische Schaden führt automatisch zu einem versicherten Haftungsfall. Reine Betriebsunterbrechungen oder Nachbesserungskosten sind häufig ausgeschlossen oder nur über spezielle Zusatzdeckungen versicherbar.
Auch organisatorische Aspekte spielen eine zentrale Rolle. Haftungsrisiken können sich erhöhen, wenn:
- Zuständigkeiten im Unternehmen unklar sind
- Prozesse nicht dokumentiert oder regelmäßig überprüft werden
- Sicherheits- oder Prüfmechanismen fehlen
- auf Hinweise oder Störungen nicht zeitnah reagiert wird
- externe Dienstleister unzureichend eingebunden oder kontrolliert werden
Gerade im Zusammenspiel mit technischen Systemen können organisatorische Schwächen dazu führen, dass Probleme zu spät erkannt oder falsch behandelt werden.
Wann haften Onlinehändler vertraglich?
Onlinehändler haften vertraglich, wenn sie Pflichten aus einem geschlossenen Vertrag nicht oder nicht ordnungsgemäß erfüllen. Solche vertraglichen Pflichtverletzungen zählen in der Regel zum unternehmerischen Risiko und sind nicht Gegenstand einer Haftpflichtversicherung.
Welche Rolle spielen AGB und Haftungsbeschränkungen?
Allgemeine Geschäftsbedingungen können helfen, Haftungsrisiken zu begrenzen. Onlinehändler dürfen ihre Haftung jedoch nicht unbegrenzt einschränken. Bei bestimmten Schäden ist eine Haftungsbeschränkung rechtlich unzulässig, etwa bei:
- Schäden aus der Verletzung von Leben, Körper oder Gesundheit
- grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz
- zwingenden gesetzlichen Gewährleistungs- und Verbraucherrechten
Warum sind Haftungsrisiken für Onlinehändler wirtschaftlich relevant?
Haftungsrisiken können unterschiedliche Kosten nach sich ziehen, darunter:
- Schadenersatzforderungen, etwa bei Vertragsverletzungen oder Datenschutzverstößen
- Kosten für rechtliche Prüfung, Beratung und Abwehr von Ansprüchen
- Aufwendungen für technische Nachbesserungen oder organisatorische Maßnahmen
Jessica Seitz weiß, welche Problemfelder Onlinehändler besonders unter Druck setzen: „Besonders belastend empfinden viele Händler den Zeitdruck im Schadenfall. Abmahnungen oder Beschwerden sind häufig mit kurzen Fristen verbunden und lassen wenig Zeit für eine strukturierte Reaktion. Neben Anwaltskosten entstehen oft zusätzliche Aufwände durch Shop-Anpassungen oder technische Änderungen. Auch mögliche Imageschäden werden häufig unterschätzt.“
Wie können sich Onlinehändler gegen Haftungsrisiken absichern?
Onlinehändler können verschiedene Maßnahmen ergreifen, um Risiken zu reduzieren und die möglichen Folgen eines Haftungsfalls besser zu beherrschen:
- klare und korrekte Informationen im Online-Shop (regelmäßig prüfen)
- definierte Prozesse für den Umgang mit Nutzerinhalten
- klare Zuständigkeiten für Technik, Inhalte und Datenschutz
- regelmäßige Überprüfung technischer Systeme und Schnittstellen
- strukturierte Abläufe für den Umgang mit Vorfällen oder Beschwerden
In der Beratung zeigt sich häufig, dass viele Onlinehändler Schwierigkeiten haben, unterschiedliche Versicherungsarten auseinanderzuhalten – etwa Vermögensschadenhaftpflicht, Betriebshaftpflicht oder Produkthaftpflicht. In unserem exali-Glossar finden Sie verständliche Erklärungen.
Wie hilft eine Webshop-Versicherung?
Trotz aller Vorsorgemaßnahmen lassen sich Haftungsfälle nicht immer vermeiden. Eine Webshop-Haftpflicht über exali kann dabei helfen, ausgewählte Haftungsrisiken abzusichern und berechtigte Schadenersatzforderungen sowie die Abwehr unberechtigter Ansprüche zu übernehmen (abhängig vom vereinbarten Leistungsumfang).
Für Jessica Seitz sticht vor allem ein Merkmal der Webshop-Haftpflicht heraus: „Positiv wahrgenommen wird von vielen Onlinehändlern, dass mehrere Online-Shops unter einer Versicherungslösung gebündelt werden können. Das ist besonders relevant für Händler, die parallel über eigene Shops, Marktplätze oder verschiedene Markenauftritte verkaufen.“
Warum ist eine Kombination aus Prävention und Absicherung für Onlinehändler wichtig?
Weder organisatorische Maßnahmen noch Versicherungen allein bieten einen vollständigen Schutz. Erst die Kombination aus Prävention, klaren Prozessen und Absicherung ermöglicht es Onlinehändlern, Haftungsrisiken realistisch einzuschätzen und handhabbar zu machen. Ein strukturierter Umgang mit Haftungsrisiken schafft zudem Sicherheit für unternehmerische Entscheidungen und sorgt für mehr Stabilität im laufenden Geschäft.
Unsere Expertin: Jessica Seitz
Jessica Seitz ist Kundenberaterin bei exali. Sie unterstützt Onlinehändler bei Fragen zu Haftungsrisiken und Versicherungslösungen im eCommerce. In der Kundenbetreuung berät sie Händler bei Fragen zu Produkthaftung, Urheberrechtsrisiken, Datenschutz und der passenden Absicherung ihres Business. Ihr Ziel ist, komplexe Haftungsfragen verständlich zu erklären und Onlinehändlern mehr Sicherheit im Geschäftsalltag zu geben.